Für einen Nachmittag Diplomatin sein

K3 vor Ort

Die Delegationen von China, Indien, den USA und der EU sitzen an Tischen im Kreis, neben ihnen Lobbygruppen. In der Mitte spricht der UN-Generalsekretär Guterres. Dieser Klimagipfel findet nicht in New York statt, sondern im Foyer des KIT-Audimax. An den Tischen sitzen keine DiplomatInnen, sondern TeilnehmerInnen des K3 Kongresses für Klimakommunikation. Für 75 Minuten schlüpfen sie in die Rollen von Länder-Delegationen und LobbyistInnen, die ein Klimaschutzabkommen aushandeln sollen.

Der UN-Klimagipfel im Kleinformat

Florian Kapmeier leitet das Planspiel. Eigentlich ist er Professor an der Hochschule Reutlingen, aber heute moderiert er als UN-Generalsekretär die simulierte Kurzversion des Klimagipfels. Um für Ordnung zu sorgen, hat er einen Holzhammer dabei. Gerade hat er die Rahmenbedingungen vorgestellt, vor jedem Team liegt außerdem Material mit den Zielen und Eigenschaften “ihrer” Länder. “Ihr habt jetzt zwölf Minuten Zeit, um in Verhandlungen zu treten. Danach stellt ihr jeweils vor, welche Verpflichtungen eure Delegation im Klimaabkommen eingehen möchte”, erklärt Kapmeier.

“UN-Generalsekretär” und Spielleiter

Die Delegationen schwärmen aus, hitzige Diskussionen beginnen. Sätze wie “Wir sind in einer ähnlichen Situation“ und “Wir wollen beide Wirtschaftswachstum“ schallen durchs Foyer. “Die Verhandlungen sind purer Stress”, sagt Andrea Steckert von der indischen Delegation. Sie steckten in einem Dilemma: “Wir müssen die Armut bekämpfen, das Wachstum schadet aber dem Klima. Deswegen ist unsere Strategie, möglichst viel aus dem Klimafond zu bekommen.”

Nach den kurzen, aber intensiven Verhandlungen, präsentieren die Länder, welche Anstrengungen sie sich für den Klimaschutz vorstellen könnten. Ab wann sollen die CO2-Emissionen nicht weiter steigen, ab wann sinken? Welche Ziele setzt man sich für Aufforstung? Deutlich wird: Die Delegationen wollen weniger in den Klimafond einzahlen als herausbekommen. Am Ende klafft eine Milliardenlücke.

Klimaaktionsplan nach der ersten Verhandlungsrunde

Der UN-Generalsekretär und Spielleiter Kapmeier gibt die Klimaschutzpläne der Länder in die Simulationssoftware C-Roads ein. Heraus kommt: Im Jahr 2100 würde sich die Erde so um 3,4 Grad erwärmen, dicht besiedelte Gebiete würden wegen eines steigenden Meeresspiegels überflutet. Mit dieser Ernüchterung beginnt eine zweite Verhandlungsrunde. Wird man das 2-Grad-Ziel noch erreichen können?

Delegationen verschiedener Länder im Gespräch

Alle Länder setzen sich deutlich ergeizigere Ziele. Selbst Trumps Delegation und der US-Gemeinebund überbieten sich gegenseitig mit Beiträgen in den Klimaschutzfond. Dennoch zeigt der Klimawandelsimulator: Das 2-Grad-Ziel wird verfehlt, aber die Erderwärmung würde mit diesen Maßnahmen auf 2,4 Grad begrenzt. Immerhin, schnaufen einige der TeilnehmerInnen.

Die Auswirkungen des Klimaaktionsplans

Eines haben aber vermutlich alle Anwesenden gelernt: Um die Erderwärmung zu stoppen, braucht es globale Anstrengungen und Verabredungen. Der Einfluss der EU bewegte sich im 0,1-Grad-Bereich und dennoch schielen vermutlich alle auf der Welt darauf, wie sich insbesondere die reichen Länder verhalten.

Das Fazit der Delegationen und LobbyistInnen: Der Workshop war eine unterhaltsame und lehrreiche Veranstaltung zugleich. Und: Die “World-Climate-Verhandlungssimulation” lässt sich nachspielen, mit Freunden, KollegInnen oder Studierenden. Mehr Infos zum Konzept gibt es auf der Website der NGO “Climate Interactive”. Dort findet sich auch die Simulations-Software zum selbst Ausprobieren. Wie entwickelt sich das Klima, wenn Länder bestimmte Klimaziele einhalten? /pm

/pm