George Marshall – „Es geht nicht nur um Fakten“

K3 vor Ort

Er ist derjenige mit der wahrscheinlich längsten Anreise des Kongresses – George Marshall, der Keynote-Redner, der den Kongress mit einem aufschlussreichen Vortrag über die Knackpunkte der Klimakommunikation einleiten durfte – und vorbildlich aus Großbritannien, eben nicht mit dem Flugzeug angereist ist. Der Gründer der Organisation Climate Outreach stellte in seinem Vortrag vor allem den Begriff „transformative Kommunikation“ vor.

Transformative Kommunikation – Was ist das?

Transformative Kommunikation geht gezielt auf die Interessen und Sorgen von Individuuen ein, um eine positive, gesellschaftliche Entwicklung zu bewirken. Laut Marshall brauchen wir vor allem diese Art der Klimakommunikation, um die Transformation der Gesellschaft voranzutreiben, die wir hinsichtlich der Erderwärmung so dringend benötigen. Dazu brauchen wir einen gesellschaftlichen Auftrag, der uns zum Handeln bringt. Denn wenn Menschen die Dringlichkeit des Klimawandels nicht begreifen, können sie auch keine fundierten Entscheidungen in ihren Leben treffen, ihre Lebensweisen ändern oder den Regierungen Druck machen, um so die großen Veränderungen zu bewirken, die wir brauchen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Klimawandel – Ein kontroverses Thema wie eh und je

Momentan haben wir es  noch nicht geschafft, diesen Auftrag zu definieren. Das zeige sich vor allem dadurch, dass wir immer noch nicht alle Teile unserer Gesellschaft betrachten und miteinschließen, was wiederum bestimmte Menschen dazu veranlasst, den Klimawandel zu leugnen oder sich dagegen zu stellen. Ein gutes Beispiel dafür ist Amerika. In der Politik wird das Thema Klimawandel kontroverser diskutiert als jedes anderes. Das hat zur Folge, dass sich populistische Parteien auftun, die die Lücken der Gesellschaft füllen, die bisher ignoriert wurden. Auch in Europa sehen wir das Phänomen, besonders stark in Ländern, die historisch betrachtet schon viel in Richtung Klimaschutz getan haben. Dazu fordert Marshall auf, mit der populistischen Szene zu reden und zu kommunizieren, denn sie machen mehr als 50% der Bevölkerung aus. Laut Climate Outreach ist genau dies die politische Gruppe, die wir überzeugen müssen.

Diversität und Kreativität bei Fakten ist gefragt

Zur Überzeugung brauchen wir zum einen eine Vielfalt der Klassen, Farben, politischen Richtungen und Religionen. Gerade in den Religionen sieht Marshall viel Potenzial für Klimaschutzaktionismus. Zum Beispiel bei der muslimischen Bevölkerung in Nordafrika, eine Region die stark unter den Folgen des Klimawandels leidet und welche die Zerstörung der Natur als eine Zerstörung des Geschenks Gottes ansehen. Zum anderen brauchen wir dafür eben die transformative Klimakommunikation. Bei der gehe es vor allem darum, das Narrative zu fördern, anstatt sich nur auf starre Fakten zu stützen. Fakten an sich alleine sind keine ausreichende Klimakommunikation. Die Fakten müssen großartig in einer Erzählung verpackt sein. Durch Erzählungen können Identitäten geschaffen und Werte vermittelt werden. Für die Erzählungen sei auch die Wortwahl wichtig. Anstatt immer davon zu reden, dass wir uns dem Klimawandel anpassen müssen, sollten wir viel eher darauf abzielen, dass wir uns und unsere Nächsten eigentlich schützen und verteidigen müssen. „Das ist die Sprache der Liebe: Menschen und Gemeinschaften, die wir lieben, zu schützen, denn dafür sind wir da“, so Marshall.

/ls