Kommunikation für eine Gesellschaft im Klimawandel

Eine Woche vor der Sitzung des Klimakabinetts der Bundesregierung und eineinhalb Wochen vor Beginn des K3 Kongresses 2019 stellten fünf ExpertInnen ihre Ideen für eine bessere Klimakommunikation vor. Diese werden sie gemeinsam mit rund 500 Personen in Karlsruhe weiterdenken.

Die ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis riefen zu gemeinsamen Anstrengungen auf, um beim Klimaschutz endlich zum Handeln zu kommen. Dabei sei eine bessere Kommunikation entscheidend. Auf der Pressekonferenz im Vorlauf zum K3 Kongress haben unter anderem der Klimaforscher Mojib Latif und der Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer eine Klimakommunikation gefordert, die den Menschen Orientierung auf dem Weg in die klimaneutrale Zukunft gibt. Sowohl eine ehrliche Auseinandersetzung über die Sorgen, die mit dem Klimawandel verbunden sind, als auch Debatten über Lebensstile und Werte seien zentral. Nötig seien zudem eine intensivere Kooperation zwischen den unterschiedlichen AkteurInnen und mehr Transfer von Lösungsansätzen aus der Wissenschaft in die Praxis. Gemeinsame Zukunftsbilder von einem guten Leben seien wichtige Hebel, damit Klimaschutz Realität werden könne.

Mojib Latif, Vorsitzender des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK), betont, dass wir als Gesellschaft nicht mehr über das Ob, sondern das Wie im Klimaschutz diskutieren müssen: „Wir haben das Klimaproblem viel zu lang ignoriert, die Zeit zum Handeln läuft ab. Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft müssen mit vereinten Kräften das Ruder herumreißen. Klimaschutz eröffnet neue Möglichkeiten, die unseren Wohlstand langfristig sichern.“

Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe und Direktor der „Stiftung Zukunftsfähigkeit – Futurzwei“ will aus dem Zustand der kollektiven Verantwortungslosigkeit heraus. Seine Antwort nimmt alle in die Pflicht: „Veränderung kann man nicht delegieren. Die muss man selber machen.“

Marie-Luise Beck, Geschäftsführerin des Deutschen Klima-Konsortiums (DKK), plädiert für eine engere Kooperation der wissenschaftlichen Disziplinen: „Die gesellschaftlichen Debatten um den Weg in eine klimaneutrale Welt werden immer wichtiger und auch konkreter. Da der Klimawandel vom Menschen verursacht ist, brauchen wir Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften zur Lösung des Problems.“ 

Tatiana Herda Muñoz, ehemalige Klimaschutzmanagerin der Landeshauptstadt Mainz, fordert ein positives Zukunftsbild, das die Menschen mitnimmt: „Wir brauchen vor Ort eine Klimakommunikation, die Lust auf gemeinsame Gestaltung macht, anstatt Verlustangst zu schüren.“

Carel Carlowitz Mohn, Chefredakteur von klimafakten.de: „Wir kommen beim Klimaschutz bisher nicht voran, weil viele den Klimaschutz als Angriff auf ihre Vorstellung davon verstehen, wie ein gutes Leben und eine gute Ordnung aussehen. Wir müssen künftig also viel stärker über Werte sprechen – und auch in der Klimadebatte mehr Respekt für unterschiedliche Wertvorstellungen entwickeln.“

Die Zukunft der Klimakommunikation wird das zentrale Thema des K3 Kongresses zu Klimawandel, Kommunikation und Gesellschaft sein, der vom 24. bis zum 25. September 2019 in Karlsruhe stattfindet. ReferentInnen aus dem In- und Ausland präsentieren dort ihre Erkenntnisse aus Disziplinen wie Psychologie, Linguistik, Soziologie oder Medien- und Kommunikationswissenschaft. Außerdem wird es mehrere Workshops, ein ZukunftsLAB und einen Spielplatz geben, um innovative Formen und Formate der Klimakommunikation zu entwickeln und auszuprobieren.

Fünf Veranstalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – Deutsches Klima-Konsortium (DKK), Climate Change Centre Austria (CCCA), Swiss National Centre for Climate Services (NCCS), ProClim von der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), klimafakten.de – riefen den K3 Kongress vor zwei Jahren ins Leben, um den Erfahrungsaustausch der interdisziplinären Community rund um die Klimakommunikation voranzubringen. In diesem Jahr wird der Kongress vom Deutschen Klima-Konsortium konzipiert und koordiniert und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.


Bildnachweis: DKK, Stephan Röhl